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Filmempfehlung: Fargo – Blutiger Schnee

Lauflänge: 98 Minuten
Jahr: 1996
Regisseur: Joel Coen

Folgende Streams verfügbar:  Amazon Prime, Videoload, iTunes
(Stand 28.01.2016)

Fargo – Blutiger Schnee

Komödien gehören neben Horrorfilmen zum ältesten und gleichzeitig experimentierfreudigsten Genre im Filmbereich. Dabei hat sich die Idee des Geschichtenerzählens im Laufe von über 100 Jahren rasant weiterentwickelt und dabei immer komplexere Formen angenommen. Dennoch scheinen speziell diese beiden Genres, die in ihren Anfängen auch ohne Dialoge wundervolle Geschichten erzählten, im Kern immer wieder auf die wesentlichen Bestandteile Freude, Überraschung, Angst und Trauer zurückzufallen. Diese Basisemotionen eines jeden Menschen, unabhängig von kulturellem Hintergrund, Geburtsort und Erfahrungen, sind grenzübergreifend, jeder von uns reagiert emotional darauf – nicht gleichermaßen stark, aber dennoch erkennbar einheitlich.
Als Charlie Chaplin 1914 zum ersten Mal als „Der Tramp“ zu sehen war, sollte er eine Kultfigur erschaffen, deren Charme und Witz bis heute ungebrochen ist. Ähnliche Reaktionen hatten die Zuschauer auf die ersten Horrorfilme der Stummfilmgeschichte: „Das Phantom der Oper“, „Nosferatu“ oder „Das Cabinet des Dr. Caligari“ erzeugten mit ihrer expressionistischen Darstellung und der tragenden Musikuntermalung eine immense Dramatik – ganz ohne Dialog.

Und genau hier kommen die Regisseure und Autoren Joel und Ethan Coen ins Spiel: Die Oscar prämierten Brüder verstehen es geradezu meisterhaft ihre eigenen Drehbücher mit den einfachsten Mitteln leichtfüßig in spannende, skurrile und teils bizarre Filme zu verpacken. Dabei drehen die beiden Filmemacher, die schon in ihrer Jugend zur 8mm Kamera griffen, weder pure Horrorfilme oder Komödien, noch reine Thriller oder Dramen - vielmehr verschmelzen sie mehrere Genres gekonnt miteinander und lassen sich so in keine bestimmte Schublade einordnen. Dennoch funktionieren ihre Filme, wie auch die Klassiker von damals, auf einer universellen Ebene, wirken durch die Fokussierung auf eine reine, dialogarme Bildsprache fast schon wie Stummfilme der Neuzeit. Hier werden, in fein differenzierten Charakterstudien, auf eine sehr direkte, teils bittere und schonungslose, aber auch teils subtil schwarz-humorige Art und Weise, sowohl menschliche Abgründe als auch die moralischen Werte alltäglicher Charaktere ergründet. Einen solchen Film möchte ich Ihnen heute näher vorstellen, willkommen zu „Fargo – Blutiger Schnee“.

Inhalt

Simple Pläne können katastrophale Folgen nach sich ziehen. Das muss auch Jerry Lundegaard (William H. Macey), der schmierige, einfach gestrickte und hoch verschuldete Autohändler aus Minnesota, schnell feststellen. Dabei schien doch zunächst alles so simpel und durchdacht: Jerry braucht Geld, eine Million Dollar um genau zu sein. Mit dieser hohen Summe will er seine eigene Firma gründen und sich endlich seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllen. Dafür lässt Jerry seine Frau von den zwei unfähigen aber brutalen Ganoven Carl (Steve Buscemi) und Gear (Peter Stormare) entführen, die er mit nur läppischen 40.000 $ und einem gestohlenen Auto abspeisen will - das Lösegeld soll dabei sein tyrannischer Schwiegervater und zufällig auch Besitzer des Autosalons bereitstellen, Wade Gustafson (Harve Presnell). Die zunächst als gewaltlose Entführung geplante Erpressung eskaliert im Laufe der Handlung zu einer blutigen Mordserie und erregt schnell die Aufmerksamkeit der ansässigen und im 7. Monat schwangeren Polizeichefin Marge Gunderson (Frances McDormand).
Marge ist eine sehr fürsorgliche, scharfsinnige und gewissenhafte Ermittlerin, die mit ihrem einfühlsamen Mann Norm (John Carroll Lynch) ein recht genügsames Leben in der Kleinstadt Brainerd, Minesota führt. Durch ihre liebevolle Beharrlichkeit und ihrem leicht tollpatschigen aber direkten Auftreten scheint Marge die verstrickte Mordserie in Fargo langsam entschlüsseln zu können - eine zunächst simple Geschichte entfaltet sich zu einer spannenden Charakterstudie der Gegensätze von Gut und Böse.

Info

„Fargo – Blutiger Schnee“ ist ein skurriler Genremix, der 1997 zwei Oscars gewinnen und sich damit problemlos in das überaus ansehnliche und extravagante Portfolio der Coen Brüder einreihen konnte. Der Film basiert, sofern man dem dem Vorspann des Film glauben darf, auf „wahren Tatsachen“ und ist die 6. Zusammenarbeit der beiden Brüder, die bereits ein Jahr zuvor mit „Barton Fink“ auf sich aufmerksam machen konnten. Es folgten weitere unkonventionelle und bei Kritikern und Fans gleichermaßen beliebte Filme wie „The Big Lebowski“, „No Country for old Men“ und „True Grit“, welche ebenfalls mit diversen Oscars ausgezeichnet wurden. Interessanterweiße erhielt Fargo 2014 einen qualitativ hochwertigen Serienableger, an dem so bekannte Schauspieler wie Martin Freeman (Der Hobbit), Kirsten Dunst (Spider-Man) und Jesse Plemons (Breaking Bad) mitarbeiten durften. Die Serie geht dabei sehr respektvoll und souverän mit der Vorlage des bereits 20 Jahre alten Films um und erweitert mit ihren neuen Charakteren und Handlungssträngen die schrullige Welt von Fargo kontinuierlich weiter. Zwei Staffeln sind bereits auf Netflix verfügbar, eine dritte ist auf Grund des großen Erfolgs bereits in Planung.

Meinung

Die Coen Brüder kreieren in ihren Filmen immer wieder sehr natürlich wirkende, sehr greifbare Charaktere. Ihre Figuren sind Antihelden, sonderbar eigentümliche Persönlichkeiten mit nachvollziehbaren Stärken und Schwächen, die durch ihr exzentrisches Auftreten dem Zuschauer schnell ans Herz wachsen.
Der faule „Dude“ beispielsweise ist ein liebenswerter, pazifistischer aber auch dauerbekiffter Tagträumer, der im Film „The Big Lebowski“ als Althippie von einer brenzligen Situation in die nächste stolpert.
Barton Fink wiederum, der zunächst befremdlich wirkende, einsame Autor aus dem gleichnamigen Film, ist ein sehr intelligenter aber schüchterner und mutloser Mann, dem die Kunst des Schreibens mehr bedeutet als der daraus resultierende Ruhm. Das einzige, was diesem ulkigen Charakter am Herzen liegt, sind seine Geschichten und wir als Beobachter fühlen bei beiden Filmen mit den unvollkommenen Protagonisten mit.

Bei den Coen Brüdern werden keine einfachen Stereotypen präsentiert, niemand ist wirklich abgrundtief böse und niemand wird als typischer Held abgebildet, vielmehr sind alle Personen verletzliche Charaktere. Keine Person scheint überflüssig, jedes ihrer Motive trägt zur Handlung und Atmosphäre bei.
Dabei wird der Geschichte und den Protagonisten viel Raum und Zeit zum Atmen gelassen, die Kameraarbeit wirkt stets überlegt, unauffällig, nuanciert. Viele Einstellungen bleiben zudem lange auf wichtigen Situationen haften, dadurch entfaltet sich bei jedem Film der Coens ein ganz spezieller Charme von purer Menschlichkeit, der anders als etwa bei Quentin Tarantino oder Guy Ritchie nicht so plakativ, nicht so bemüht wirkt - Tarantino und Richie erschaffen ebenfalls sehr scharfsinnige, lebendige Charaktere und stecken sie in lebensbedrohliche aber zutiefst komische Situationen. Die Coens hingegen bleiben dabei in ihrer fein strukturierten Machart mehr dem klassischen Stummfilm treu und wir als Zuschauer schauen hypnotisiert auf den Bildschirm und erschaffen zwischen den Zeilen unsere eigene Geschichte.

Ähnlich wie ihre Oscar prämierten Meisterwerke „No Country for Old Men“ und „True Grit“ funktioniert Fargo durch seine spezielle Machart grenzübergreifend – hier steht die Bildsprache, gepaart mit dem spärlichen aber niemals langweiligen Dialog im Mittelpunkt. Der pure Horror der menschlichen Gier und die fast schon befreiende Situationskomik im richtigen Moment bilden dabei immer wieder einen interessanten Gegensatz zueinander: Wenn beispielsweise die geplante Entführung damit endet, dass Jerrys Frau mit einem Sack über dem Kopf und an den Armen gefesselt panisch durch den Schnee taumelt, während die zwei Entführer lachend neben ihrem Auto stehen und dem ganzen Schauspiel amüsiert beiwohnen, dann wirkt dies verstörend und lustig zugleich - hier tanzen die Coens meisterhaft auf einem schmalen Grat zwischen Horror und Satire. Auch Frances McDormand, die hier als schwangere Polizeichefin die beste Leistung ihrer Karriere zeigt, trägt mit ihrem sympathisch watschelnden Gang und einer unwiderstehlich gutherzigen Art quasi den kompletten Film im Alleingang.
Fargo ist ein kleiner, aber sehr durchdachter feiner Film, welcher eine schön skurrile Geschichte zu erzählen hat und dabei mit seinen 98 Minuten bestens zu unterhalten weiß.
 

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Barton Fink, No Country for Old Men, Snatch - Schweine und Diamanten, The Big Lebowski, Ed Wood

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