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Filmempfehlung: Gone Girl - Das perfekte Opfer

Lauflänge: 149 Minuten
Jahr: 2014
Regisseur: David Fincher

Folgende Streams verfügbar:  Nur leihen/kaufen möglich.
(Stand 12.02.2016)

Über den Regisseur

David Fincher gilt in Hollywood als eine schwierige Persönlichkeit. Er ist ein innovativer und extrem detailverliebter Regisseur mit einem starken Drang zum absoluten Perfektionismus. Seine Filme sind ästhetisch komplex, weisen verschlungene Geschichten auf und kosten dementsprechend viel Zeit und Geld. Von Kritikern und Fans wird er allerdings zurecht als kleines Genie gefeiert. Dabei war sein Filmdebüt „Alien 3“ von 1992 zunächst eine regelrechte Katastrophe und beendete beinahe die frische Karriere des damals 30-jährigen Mannes aus Colorado. Fincher, der sich mit Musikvideos für Nine Inch Nails und Madonna einen Namen machen konnte, erhielt von 20th Century Fox Anfang der 90er Jahre das unschlagbare Angebot, die beiden Kultfilme der Alien Saga endlich mit einem dritten Teil fortzusetzen. Fincher nahm das Angebot begeistert an, doch die darauffolgenden Dreharbeiten verliefen alles andere als reibungslos - immer wieder musste der junge Regisseur sich den Wünschen der Studio Bosse unterwerfen und sogar mit einem unfertigen Drehbuch den Film beginnen.

Trotz seiner visionären Kameraarbeit und einer kunstvollen Bildsprache konnte der Film die hohen Erwartungen nicht erfüllen und endete in einem Debakel. Fincher verließ den Film, bevor der eigentliche Schnitt begann und zog sich zunächst drei lange Jahre aus dem Filmbusiness zurück. Dieses prägende Erlebnis sollte dazu führen, dass der aufstrebende Regisseur von nun an bei jedem seiner Filme die volle Kontrolle über dessen Entstehungsprozess zugesichert bekam. Ohne Ausnahme. Und so kehrte er 1995 mit seinem Thriller „Sieben“ triumphierend auf die Kinoleinwand zurück und liefert seit dieser Zeit immer wieder konkurrenzloses Kopfkino der Spitzenklasse ab. Ob auch sein letzter Film die Erfolgsgeschichte dieses Naturtalentes fortsetzen kann, lesen Sie hier – willkommen zu Gone Girl.

Inhalt

Nick liebt Amy und Amy liebt Nick. Die erfolgreiche und durch ihre Kinderbuchfigur „Amazing Amy“ reich und berühmt gewordene Journalistin Amy Elliott (Rosamund Pike) trifft eines Tages auf einer Party den ebenfalls in dieser Branche tätigen und eher simpel gestrickten, sowie recht bodenständigen Junggesellen Nick Dunne (Ben Affleck). Beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander und führen von diesem Tag an eine chaotisch-wilde, voller Leidenschaft und Bewunderung geprägte Liebelei. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensansichten und der großen sozialen Distanz zueinander, scheint ihre Beziehung prächtig zu gedeihen und mündet schon nach kurzer Zeit in einer regelrechten Bilderbuch-Ehe. Doch bereits nach wenigen Jahren zeigt die nach außen hin so perfekt funktionierende Beziehung langsam erste Ermüdungserscheinungen. Als dann noch beide ihren Job verlieren und in eine andere Stadt ziehen müssen, wird das tägliche Leben des einstigen Traumpaares mehr und mehr durch Krisen und Probleme zu einer einzigen Tortur. Die nun als Hausfrau lebende „Amazing Amy“ verliert dabei immer weiter das Vertrauen zu ihrem antriebslosen Lebenspartner, der sich aufgrund von Amys hohen Ansprüchen und ihrer intellektuellen Überlegenheit immer weiter von ihr abschottet.

Am morgen ihres 5. Hochzeitstages kehrt Nick nach einem kurzen Besuch in der Stadt nichtsahnend in das gemeinsame Haus der beiden zurück. Amy ist spurlos verschwunden, die Inneneinrichtung leicht zerstört - alle Spuren deuten auf einen gewaltsamen Kampf hin. Während der polizeilichen Untersuchungen kommen immer mehr Fakten ans Tageslicht, die nun Nick selbst in die Schusslinie der Ermittlungen und der Presse stellen. Um die berühmte „Amazing Amy“ zu finden, wird eine große Suchaktion eingeleitet, die mehr und mehr in eine regelrechte Hetzjagd gegen Nick ausartet - doch das Opfer selbst bleibt weiterhin spurlos verschwunden und die ganze Welt fragt sich nun: „Wo ist Amy?“

Meinung

Gone Girl bietet mit einer Gesamtlänge von 149 Minuten viel spannenden Stoff zum Diskutieren und benötigt so durchgehend die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Es werden viele Charaktere eingeführt, die Dialoge strotzen mit ihrem hohen Tempo nur so vor Details und jede noch so kleine Geste hat eine Bedeutung - hier wird nichts dem Zufall überlassen. Dadurch verliert der Film eine gewisse Spontanität und Natürlichkeit, wirkt aber, wie alle bisherigen Filme von Fincher, makellos edel und wie aus einem Guss. Finchers Filme definieren sich dabei durch einen düsteren, harmonischen Look mit enorm vielen Nuancen und einer verschachtelten Erzählstruktur. Dadurch erreicht er, wie kaum ein anderer Regisseur, eine kraftvolle Ästhetik mit einem fast schon zeitlos wirkenden, hyperrealistischen Ansatz. Fincher bildet hier nicht die Realität ab, sondern ähnlich wie Kubrick es in seinen Filmen auch getan hat, eine überzeichnete, glorifizierte Version dieser. Lebensbejahend ist auf den ersten Blick keiner von Finchers Filmen. Bei Gone Girl wird dieser Stil durch lange, ineinander übergehende Kamerafahrten, starke Farbfilter, extreme Close-Ups und einen unnatürlichen, aber dadurch auch stilvoll wirkenden Einsatz von Licht und Schatten erzeugt. So entsteht, wie bei allen Werken von Fincher, ein Gefühl von Hilflosigkeit und Leere. Eine Besonderheit, die ich hier unbedingt erwähnen möchte, ist der starke Einsatz von Computereffekten, der sich durch die gesamte Filmographie von David Fincher zieht. Allerdings hat der Mann es, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, verstanden, CGI Effekte nur als absolutes Hilfsmittel einzusetzen. Die verschlungenen Kamerafahrten aus „Panic Room“ oder die extremen Nahaufnahmen von „Fight Club“ bspw. sind komplett am Computer entstanden und wirken durch ihre hohe Qualität auch heute noch ansehnlich und nicht wie ein störender Fremdkörper zum Rest des Films. Auch Gone Girl bedient sich dieser Tricktechnik und zaubert u.a. fotorealistische Sets um die Schauspieler herum - so kann Fincher viele seiner Szenen im Studio drehen lassen und behält so bei komplexen Szenen die absolute Kontrolle über seine Bilder.

Schauspielerisch überzeugen sowohl Ben Affleck und Rosamund Pike mit ihrer wundervoll gespielten Hass-Liebe, als auch die restlichen Charaktere auf ganzer Linie. Lediglich Neil Patrick Harris, den die meisten Zuschauer noch als Barney aus „How I met your mother“ kennen dürften, wirkt in der Rolle des wohlhabenden Stalkers unfreiwillig komisch und damit leider komplett fehlbesetzt. Die Geschichte von „Gone Girl“ ist in den ersten 20 Minuten zunächst liebevoll und positiv gestimmt, gleitet aber im Laufe der 149 Minuten in ein wundervoll düsteres, zynisches und fast schon makaberes Katz-und-Maus-Spiel ab, das stets mit einem leicht ironischen Unterton und vielen Wendungen aufwarten kann. Durch seine parallel verlaufenden Handlungsstränge, eine einwandfreie technische Leistung von Kamera und Schnitt und dem hohen Tempo bleibt der Film bis zum Ende hin ein für den Zuschauer gekonnt inszeniertes, undurchschaubares Puzzlespiel. Gone Girl ist für mich auch nach der dritten Sichtung immer noch ein wundervoll ironisch-pessimistisches Meisterwerk, das man, wie alle Filme von David Fincher, unbedingt im Regal stehen haben sollte. Anschauen!
 

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Fight Club, Sieben, The Social Network, Nightcrawler, Die üblichen Verdächtigen, Goodfellas, Casino

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  • *thumbsup*

    Besten Dank für die Filmempfehlung. Habe mir gestern den Film reingezogen und war schwer begeistert ! Top !